Stadtpfarrkirche zum hl. Valentin:

 Die Stadtpfarrkirche ist eine spätgotische Hallenkirche. Angesichts des Alters der Pfarre (2000 wurde das 950 jährige Pfarrjubiläum gefeiert), muss die spätgotische Kirche mindestens einen Vorgängerbau gehabt haben, dessen Standort wahrscheinlich bereits der heutige war. Sie wurde erbaut von der Steyrer Dombauschule unter Wolfgang Tenc, einem führenden Meister des spätgotischen Kirchenbaues.

Im Jahre 1476 wurde der Chor fertig gestellt laut Schild auf dem südlichen Strebepfeiler nächst der Sakristei.

Für das Langhaus ist auf drei Konsolen der Baubeginn mit 1515, die Vollendung mit 1522 auf der südlichen Säule der Empore angegeben.

Sechs Rundsäulen mit eigenartigen Kastenkapitellen stützen innen das einzigartige Netzgewölbe mit originellen Rundbogenmustern.

Die Empore zeigt ein sehenswertes Muster mit Kreismotiven aus Stein mit vorstehendem Erker, an der Nordwand ist ein waagrechter „Kerzengang“ vorgezogen.

Beim südlichen Eingang befindet sich links die Grabplatte des Pfarrers Rupert Rechinger (+ 1519), der sicher maßgeblich am Kirchenbau beteiligt war.

In den folgenden Jahrhunderten wurde das Kirchengebäude durch Ein- und Zubauten stark verändert. Pfarrer Tobias Constantin Piller ließ auf eigene Kosten an der Nordseite der Kirche eine Kapelle anbauen, die man Barbara- oder Totenkapelle nannte. Unter dem Turm, in die heute nach zwei Seiten offene Eingangshalle, wurde eine Kapelle eingebaut, in der im Jahre 1729 ein Johannes von Nepomuk Altar aufgestellt wurde. In den Jahren 1636 und 1733/34 wurde die Kirche barockisiert und erhielt jeweils einen neuen Hochaltar. Die große Umgestaltung im neugotischen Stil erfolgte zwischen 1869 und 1889 unter Dechant Franz Kräutle durch den Linzer Dombaumeister Otto Schirmer. Barbarakapelle und Sakristei wurden abgerissen und symmetrisch wieder aufgebaut. Der Turm wurde auf 60 m ausgebaut, das Masswerk der Fenster und die Rippen der Gewölbe wurden renoviert. Auch die Wendeltreppen auf die Orgelempore sind neugotisch.

Die Inneneinrichtung der Kirche:

Die neugotische Inneneinrichtung der Kirche besteht aus drei Altären aus Marmor mit Aufbauten aus zarten Fialen mit Kreuzblumen.

Der Hochaltar zeigt in der Mitte die Statue des heiligen Valentin. Sie wird von zwei Engeln mit Spruchbändern aus Sandstein flankiert nach Entwürfen von Prof. Gasser aus Wien. Dazu zwei Reliefs, Manna in der Wüste und die Feier des Osterlammes und zwei Mosaike: Die Opferung des Isaak und die Erhöhung der ehernen Schlange.

Die Tabernakeltüren fertigte der Wiener Goldschmied Ludwig Adler an.

Der linke Seitenaltar (Marienaltar) trägt die wunderschöne Sandsteinstatue der unbefleckten Empfängnis (Entwurf Gasser/Wien, Ausführung Oberhuber/Linz) Die geöffneten Flügel des Altares zeigen Reliefs der Heiligen Magdalena, Theresia, Katharina und Elisabeth. Die geschlossenen Flügeln zeigen den freudenreichen Rosenkranz. Die kleinen Flügel darunter zeigen außen Darstellungen aus dem Leben der Heilgen Notburga und der heiligen Cäcilia. Innen zeigen sie die anbetenden Hirten und Könige, in der Mitte die wunderbare Weihnachtskrippe aus Sandstein.

Der rechte Seitenaltar (Josefsaltar) hat eine hölzerne Statue des hl. Josef asl Zimmermann mit Jesuskind und Werkzeugbündel (in der Karwoche ist dort der hölzerne Tabernakel). Die großen Seitenflügel zeigen innen die Heiligen Leopold, Johannes von Nepomuk, Aloisius und Florian und außen den schmerzhaften Rosenkranz. Darunter ist außen der Kampf des hl. Georg mit dem Drachen und der Sieg des Erzengels Michael über den Teufelsdrachen im Relief dargestellt. Bei geöffneten Türen ist das Heilige Grab sichtbar.

 Mosaike:

Neben den Seitenaltären befinden sich 2 große Mosaike: rechts das Herz Jesu, mit Sinnbildern aus der Heiligen Schrift, links das Herz Mariä mit Symbolen aus der lauretanischen Litanei, unten Maria um Hilfe anflehende Christen.

Ein drittes Mosaik mit der Darstellung der Heiligen Familie ist links vorne beim Hochaltar (1900).

 Die Fenster
Die neuen wertvollen neugotischen Fenster wurden in den Jahren zwischen 1870 und 1880 von der Firma Neuhauser/Innsbruck, nach Plänen von Prof. Klein/Wien hergestellt.

Im Altarraum ist hinter dem Hochaltar die heiligste Dreifaltigkeit und acht von den neun Chören der Engel – Michael in der Mitte – dargestellt.

Am linken Fenster ist die Taufe, am rechten die Verklärung Jesu zu sehen.

Die vier Fenster des Chorraumes zeigen den glorreichen Rosenkranz: rechts die Auferstehung und Himmelfahrt des Herrn, links die Herabkunft des Heiligen Geistes und in einem Bild zusammen Aufnahme und Krönung Mariens.

Auf dem zweiteiligen Fenster beim Marienaltar ist der Stammbaum Jesu dargestellt: Die Eltern Mariens, Joachim und Anna unter der goldenen Pforte, darüber die Verkündung. Das kleine Bild zeigt die Verklärung des heiligen Valentin.

 

Das Fenster beim Josefsaltar zeigt die Gründung der Kirche mit Übergabe der Schlüsselgewalt an Petrus und die Symbole Arche Noah und Schiff der Kirche, oben die Bekehrung des Paulus.

Bei allen neuen Fenstern ist im untersten Feld ein Bild aus dem Leben des Heiligen Valentin, des Kirchenpatrons dargestellt, und zwar von rechts nach links.

1. Bild beim Josefs-Altar: Bischofsweihe und Aussendung Valentins durch Papst Leo den Großen um 450.

2., 3., 4., Bild an der Südseite des Chores: Spendung der Heiligen Sakramente Taufe, Firmung, Eucharistie, Buße, Priesterweihe durch Bischof Valentin, auf den nördlichen Fenstern: Sakrament der Ehe, Krankensalbung an Bischof Valentin, Übertragung des Leichnams Valentins auf der Zenoburg bei Mais/Meran um 470.

Am Fenster beim Marienaltar ist der verklärte Valentin als Nothelfer für Fallsüchtige und an Krämpfen Leidende zu sehen.

 Die Kanzel
Die marmorne Kanzel trägt ein Christusrelief mit der Aufschrift „ego sum“ umgeben von den vier abendländischen Kirchenlehrern und den Symbolen der vier Evangelisten.

Der geschnitzte Kanzeldeckel ist aus Holz.

 Der Kreuzweg

Die 14 Kreuzwegbilder aus Stein an den Längswänden der Kirche wurden 1878 nach Plänen von Prof. Klein/Wien fertiggestellt.

 

Die letzte große Kirchenrenovierung war 1999 als Vorbereitung auf das 950 – jährige Pfarrjubiläum im Jahre 2000.

Am Sonntag nach Ostern war Erstkommunion und danach wurde die Kirche zur Baustelle bis zur Eröffnung und Altarweihe mit Weihbischof Dr. Heinrich Fasching am Sonntag, 3. Oktober 1999.

Bei dieser Renovierung wurde die Kirche neu ausgemalt. Einige Rippen vom Gewölbe drohten herunterzufallen und mussten neu befestigt werden. Die Netzrippen, der Kreuzweg und die Altäre wurden gereinigt und fehlende Türmchen ergänzt. Der Altarraum wurde neu gestaltet. Der Volksaltar und der Ambo wurden nach Plänen von Dombaumeister DI Wolfgang Zehetner neu gestaltet. Alle elektrische Leitungen, Leuchten und Heizung wurden gänzlich erneuert. Der Unterboden der Bänke wurde neu gemacht, die Beichtstühle wurden erneuert und zu Ausspracheräumen umfunktioniert. Die Sakristei bekam eine neue Einrichtung. Die Kosten betrugen etwa 7 Millionen Schilling und wurden zur Gänze von der Pfarrgemeinde aufgebracht. Die Renovierung wurde geleitet vom Dombaumeister DI Wolfgang Zehetner, einem Cousin von Pfarrer Johann Zarl.